Rückblick
auf 50 Jahre Laienspielgruppe Holzerode von 1952 e.V.

Als erster gewählter Vorsitzender bat man mich, etwas über den Werdegang des Vereins zu berichten.
Ich versuche es mit einer Kurzfassung.

Meine ersten Vorbereitungen erlitten in 1951 den ersten Rückschlag, da die beiden ansässigen Vereine uns nicht aufnehmen wollten bzw. der Männergesangverein nicht konnte (Frauen waren nicht zugelassen). 1952 hatte ich mich soweit schlau gemacht und so viele Freunde gewonnen, die zum Theaterspielen Lust hatten und bereit waren, einen Verein zu gründen. Ende September begannen wir mit den Proben. Wir hatten zwar kein Geld in der Kasse, aber die Begeisterung und die Mithilfe aller war wunderbar. Vier vorhandene Kulissen wurden ausgebessert, eine erstellten wir neu.

Als unsere Proben bühnenreif waren, wurde unsere Vereinsgründung am 15. Dezember 1952 auf einer von mir einberufenen Versammlung beschlossen. Unser Premiere fand am 2. Weihnachtstag um 19 Uhr bei unserem Vereinswirt Wilhelm Rühling vor überfülltem Saal statt. Durch das Hinzuholen von Stühlen und Bänken von den Nachbarn, bekamen fast alle einen Sitzplatz. Ich hatte wie alle Spieler großes Lampenfieber, aber meine erste Begrüßung kam dann doch gut an. Nach ein paar Worten mit Umarmungen, öffnete ich zum ersten Mal den Vorhang für das dramatische Schauspiel in fünf Akten "Der Schuß im Erlengrund". Es wurde ein toller Erfolg. Trotz vergossener Tränen der Rührung, belohnte uns ein langanhaltender Applaus mit vielen Vorhängen.

Der all die ersten Jahre nach der Aufführung stattfindende Tanz verlief in guter Harmonie und Stimmung.
Am ersten Samstag (nach Billingshausen) fuhren wir mit unserem ortsansässigen Bus, den ich persönlich mit 2,- DM bezahlen durfte (der Fahrerverzehr). Am zweiten Samstag des neuen Jahres ging der Verein mit Schlitten, Kulissen und Utensilien zu unserem Nachbarort Spanbeck. Diese beiden Aufführungen brachten uns das Geld ein für neue Rollen und wir konnten unsere Beleuchtung etwas verbessern.

Weihnachten 1953 präsentierten wir uns schon mit zwei Spielgruppen. Diese Jugendgruppe hat uns wesentliche Nachwuchsprobleme vermieden.

Vielleicht das Schönste, was ich erleben durfte, war, wie die Jugendlichen, die im Krieg ihre meisten Schulstunden mehr im Luftschutzkeller als in der Klasse verbrachten, durch unsere Leseproben und Vorträge schnell frei in ihrem ganzen Dasein wurden.

Zum Schluss noch eine lustige Episode aus einer Aufführung unserer Jugendgruppe. Die brauchte in einer Szene einen Stimmenimitator und den hatten wir in unserem 2. Vorsitzenden Otto Hartmann. Er war zwar Landwirt, trotzdem abends immer müde. Auch darin war er sehr gut. Nun begann die Szene: "Der Hahn fliegt krähend auf den Mist" (Otto schläft, Anstoß, Otto schlaftrunken: "Mäh, Mäh". "Das Schaf erwacht mit Blöken" - "wau, wau". "Der Hund kommt müde aus seiner Hütte" - und bellt mit einem wunderschönen "Kickeriki, kickeriki". Die Akteure drehten sich um und kamen aus dem Lachen nicht heraus. Weil das Publikum es auch lustig fand, bekam Otto tosenden Applaus. Ach ja, wir haben Otto viel zu verdanken. Übrigens von 1954 bis 1958, wo ich dienstlich in Göttingen wohnen musste, hat er mit dem großen Erfolgsstück "Gib mich frei" den Vorsitz innegehabt und mich mehr als gut vertreten. Lieber Otto, Dir gilt mein besonderer Dank für unsere gemeinsamen Jahre. Übrigens, am 20. März warst Du 90 Jahre und bist bis zum 16. Dezember wieder einmal 10 Jahre älter wie ich.

So sind nun die Jahre vergangen. Ich sitze auf dem sogenannten Altenteil und bin glücklich, dass die Vorhersage etlicher Holzeröder nicht wahr wurde, die meinten: "Heini, wenn Du aufhörst, dann geht der Verein zugrunde". Nun sind bald 10 Jahre vergangen und der Verein ist mindestens so rührig wie in unserer Gründerzeit.

Meine liebe Laienspielgruppe, ich danke EUCH!
Ihr habt mir meine Jugend bis ins Alter verlagern geholfen.

Herzlichst

Heini Lechte


Stand: 2006