"Alles nur Theater" oder: "wie aus dem wahren Leben gegriffen"

Die Bühne ist noch leer, der Vorhang noch geschlossen,
doch regen tut sich's sehr schon hinter den Kulissen.
Der Kaffee wird gekocht und kalt gestellt der Sekt,
die Gläser rasch gespült, die Tasse eingedeckt
und Kuchen steht parat, für den, der Hunger hat.

Die Spieler treffen ein. Sie machen sich dann fein
für ihr Theaterstück und hoffen auf viel Glück,
damit es wohl gelinge. Nichts wäre ihnen lieber,
als dass die Leute lachen und ganz viel Beifall machen.

Sie sitzen in der Maske, werden doll geschminkt
und ist der eine fertig, der nächste rangewinkt.
Ein Bart muss her, Perücke auf, das alles sieht ganz lustig aus,
dazu Make Up und Schminkepott, das Haar toupiert, die Lippen rot.

Aus jung mach alt, man glaubt es bald.
Die Falten sehen aus wie echt, auf der Bühne dann erst recht.
Es tropft das Blut, als ob's weh tut.
Die Spannung steigt, man schwitzt schon leicht,
ist aufgeregt und sehr bewegt.

Der Requisiteur macht die Kontrolle, ob auf der Bühne alles tolle,
jedes Ding an seinem Platz - ja, er ist ein wahrer Schatz.
Ton und Technik überprüfen, Mikrophone müssen sitzen,
CD's, Kassetten griffbereit, das Rampenlicht macht fast schon high.
Der Regisseur schaut in die Runde, legt den Finger auf die Wunde,
wo ein Spieler Schwäche zeigt und das Lampenfieber steigt.
Wieviele Minuten dauert's noch, bis der Vorhang endlich hoch,
bis das Stück beginnen kann? Warten strengt doch ziemlich an.

Der Blick ins Rollenbuch scheint wichtig.
Sitzt der Text auch wirklich richtig?
'Ne Flasche Bier und Zigarette, ein Gläschen Sekt wäre ganz nette,
wirkt entspannend und beruhigend.
Manche laufen hin und her, denn Stillsitzen fällt so schwer.

Hinter der Bühne kommen Besucher mit vielen frommen,
guten Wünschen für die Spieler. Ist das Anliegen so vieler,
soll alles klappen wunderbar, eigentlich ist das doch klar.

Die Souffleuse ist eingetroffen. Ohne sie wäre kein Hoffen.
Sie ist der verborg'ne Star. Wer's nicht glaubt, es ist doch wahr.
Bleibt einer stecken, sie muss retten,
kennt den Text so ganz genau, hat das nötige Know How.

Im Saal die Reihen füllen sich. Stühle stehen dicht an dicht.
Gerede hier, Gemurmel da, der Beginn rückt langsam nah.
Das Signal ertönt dreimal. Es geht los - oh, wie fatal.
Ein kurzer Blick noch durch den Vorhang. Man überschaut den ganzen Vorgang,
tritt sehr vorsichtig zurück, nun beginnt das Theaterstück.

In der Hand das Rollenbuch, lesen bis zum Einsatz ruft
das Stichwort gesprochen dort
draußen auf der Bühne, dazu machen gute Miene.

Lampenfieber zählt nicht mehr, volle Konzentration muss her,
und es geht, läuft wie geschmiert, niemand sich im Text verirrt.
Der Beifall rauscht, die Leute lachen, über all die witz'gen Sachen.
Die Mühe wird honoriert und fast kein Patzer ist passiert.

Davon lebt der Schauspieler. Beifall liebt er umso mehr
als es ist ihm Ansporn hier und ein Lebenselexier.
Das Theaterstück ist aus. Die Leute gehen froh nach Haus,
reden, lachen, schmunzeln noch, gähnen schon verstohlen doch.

Dann geht die Party richtig los mit Sekt und Bier und Schnappes bloß.
Ja, das wird `ne lange Nacht gar bis weit nach Mitternacht.
Ins Bett geht's, wenn der Morgen graut und der Mond schon nicht mehr schaut.

Man träumt von Bühnenauftritten, Lampenfieber, Szenenschnitten,
Proben, Blackouts, Buhrufen und auch Zugaberufen.
Schweißgebadet wacht man auf, stellt dann fest, man ist gut drauf
bis auf einen kleinen Kater: Es war alles nur Theater.


Unbekannter Verfasser